Eröffnet wurde der Nachmittag mit der Begrüßung von Stefan Rouenhoff,
Bundestagsabgeordneter des Kreises Kleve und parlamentarischer
Staatsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hob den
starken Mittelstand der Region und die Bedeutung von Netzwerken hervor.
Er zeigte sich überzeugt von den Entwicklungspotentialen und vom
Gestaltungswillen der Anwesenden und machte gleichzeitig klar, dass die
Politik die passenden Rahmenbedingungen schaffen müsse und daran auch
aktiv arbeite.
Theoretisch wurde es im Anschluss bei Prof. Dr. Andreas Engelen von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Mit „Future-Back-Strategies“ präsentierte er einen Ansatz für Unternehmen, der nicht von heute nach morgen, sondern vom Zielbild hin zu den heute notwendigen Handlungsschritten denkt. Dabei empfahl er nicht vom heutigen Produkt her zu denken, sondern stets von den Möglichkeiten Bedürfnisse der Kunden zu adressieren. Dazu müssten auch die passenden Strukturen in der Organisation geschaffen werden, die Innovationsteams von den negativen Einflüssen des alltäglichen Kerngeschäfts schützen. Diese Herangehensweise öffnete den Raum für Zukunftsideen, die unabhängig von den Herausforderungen der aktuellen Situation gedacht werden können.
Von der Theorie ging es direkt in die gelebte unternehmerische Praxis der Region. Sara Schnurbusch, verantwortlich für das Nachhaltigkeitsmanagement bei DHG in Wachtendonk, gab einen spannenden Einblick, wie ihr Unternehmen Nachhaltigkeit konsequent in der Gesamtstrategie des Unternehmens verankert und beispielhaft zum betriebswirtschaftlichen und strategischen Vorteil macht. Wichtiger Meilenstein war die Teilnahme am Programm Ökoprofit. Das unter anderem auf Blumenerden spezialisierte Unternehmen setzt auf transparente Lieferketten, Torfreduktion und möglichst regionale Beschaffung. „Wer Nachhaltigkeit strategisch denkt, beschäftigt sich letztlich mit der Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens.“, lädt Sara Schnurbusch andere Anwesende ein, dem Beispiel zu folgen.
Im Anschluss sprach Christian Grusa von der BAAK Sicherheitsschuhe aus Straelen. Er beschreibt zunächst die Beweggründe für die bewusste, strategische Unternehmensentwicklung mit Bezug auf Teamentwicklung, Notwendigkeit zur Verantwortungsdelegation und aktive Gestaltung des Generationswechsels. Im Strategieprozess wurde zunächst das Wunschbild 2030 formuliert und dann in einer „Regnose“ (statt Prognose) konkrete Handlungsschritte für jedes Jahr abgeleitet. Dreimal jährlich wird an Strategie-Tagen aktiv und entkoppelt vom Tagesgeschäft am Fortschritt der Umsetzung gearbeitet.
Nicht alles lässt sich innerhalb eines Unternehmens lösen, Prozesse können auch von einer Region gemeinsam getragen werden. Dazu braucht es Vernetzung und Austausch. Drei Netzwerkakteure, die genau diesen Austausch auf verschiedene Weise moderieren, stellten ebenfalls ihre Arbeit und aktuelle Projekte vor. Es sprachen Benedikt Tebartz van Elst für die Wirtschaftsjunioren, Dr. Anke Schiroki für Agrobusiness Niederrhein e.V. und Brigitte Jansen und Dr. Benedikt Rösen für die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve. Die Gesichter der Anwesenden verrieten deutlich, dass es zwar vielfach ein oberflächliches Wissen über die Tätigkeiten der Netzwerkakteure gibt, im Detail dann aber doch des Öfteren ein „Oh“ oder „Ah“ zu den vorgestellten Projekten zu vernehmen war.
Den großen Wert von Vernetzung und Austausch brachte schließlich Friedhelm Lange mit seinem Beitrag „Einfach mal Zukunft machen – wie Vernetzung aus Ideen Innovationen macht“ auf den Punkt. Er lud ein gemeinsam zu schauen: Welche Herausforderungen teilen die Unternehmen? Welche Kompetenzen gibt es, die wir noch nicht miteinander verbinden? Welche Dinge können wir einfach mal gemeinsam ausprobieren?
Das war die Einladung für die direkt anschließende Zukunftswerkstatt. Moderatorin Antonia Cox leitete die Gespräche an den Tischen mit aufeinander aufbauenden Fragen zu potenziellen Entwicklungen der Region in den nächsten Jahren: „Was bleibt?“, „Was geht verloren?“ „Was darf nicht passieren?“. Die Zukunftswerkstatt brachte Menschen neu miteinander ins Gespräch, die sich vorher nicht kannten. Perspektiven wurden ausgetauscht und Gemeinsamkeiten aber auch gegensätzliche Vorstellungen besprochen.
Abschließend formulierten alle Teilnehmenden ein persönliches „Vision Statement“ für die Region. Zusammengefasst ergibt der Blick auf die mehr als 50 abgegebenen Statements folgendes Bild: „Der Niederrhein 2035 ist eine wirtschaftlich starke, innovative und lebenswerte Region, die ihre Identität und ihre besonderen Stärken bewahrt und gleichzeitig offen für Veränderung ist. Menschen werden hier gerne leben und arbeiten. Zusammenhalt, Vielfalt, Eigenverantwortung und regionale Zusammenarbeit bilden die Grundlage dafür. Wirtschaft, Gesellschaft und Kommunen übernehmen gemeinsam Verantwortung für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung.“
Die genaue Auswertung der zahlreichen Zukunftsvisionen erfolgt aktuell durch die Regionalmanagements. „Wir freuen uns, dass das Format sehr gut angekommen ist und nicht wenige nach einer Vertiefung des Austauschs oder einer Wiederholung gefragt haben,“ fasst Ute Neu, Geschäftsführerin der LEADER-Region „Lei.La“ das Feedback zusammen. „Die Resonanz werden wir aufgreifen und mit den Kommunen und Netzwerkpartnern geeignete Folgeformate entwickeln.“
Ein besonderer Dank gilt dem Team der Realschule An der Fleuth, insbesondere dem Hausmeister Herr Peters sowie dem Lehrer Herr Feggeler und den Schüler:innen seines SoWi-Kurses, die die Umsetzung der Veranstaltung durch ihren persönlichen Einsatz sehr bereichert haben und eine tolle Unterstützung waren.
Fotos: Gerhard Seybert / www.medien-presse-service.com